Nachgefragt bei Dr. Rico Badenschier

Dr. Rico Badenschier
 

Dr. Rico Badenschier

 

Dr. Rico Badenschier der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten im Gesundheitswesen und Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Schwerin beantworten drei Fragen zur Gesundheitspolitik:

 

Wozu braucht man die AG Gesundheit?

Innerhalb unserer Partei haben wir so viel Expertenwissen aus den einzelnen Gesellschaftsschichten, dass es sinnvoll ist, dieses in Arbeitsgemeinschaften zu bündeln. Schön ist, dass wir im ASG-Vorstand jetzt z.B. einen Arzt und eine Krankenschwester, eine Medizinstudentin und einen Mitarbeiter einer Krankenkasse haben, die direkt ihre Arbeits- und Alltagserfahrungen einbringen können.

Wieso ist es schwer, eine gute Gesundheitspolitik zu betreiben?

Es gibt viele Interessengruppen: Die Versicherten, die Leistungserbringer und die Versicherer. Alle haben ihre Gewichte im Prozess Gesundheitspolitik, was es vom Verfahren her immer kompliziert macht. Auch das Staatsverständnis ist schwierig. Wenn man weiß, was für die Menschen gut ist, inwieweit kann man sie erziehen? Stichwort: Zuckersteuer oder das Verbot von Alkohol- und Tabakwerbung. Man weiß, derartiges ist wichtig, aber inwieweit kann ich dort eingreifen? All das sind wichtige Fragen.

Was sind die grössten Probleme im Gesundheitsbereich?

Wir haben eins der besten Gesundheitssysteme der Welt. Was wir uns aber leisten ist die Doppelversorgung. Hier spricht sich die SPD klar für eine Bürgerversicherung aus. Auf der Versorgerseite haben wir die Diskussion noch nicht. Deutschland leistet sich ein ambulantes und ein stationäres System parallel nebeneinander. Wir haben deutlich mehr Ärzte als noch vor 20 Jahren und gleichzeitig einen Ärztemangel im ländlichen Raum. Die Trennung zwischen ambulant und stationär muss aufgeweicht werden. Hier schließt sich eine grundsätzliche Frage an: Inwieweit darf man im Gesundheitssystem Geld verdienen? Auch diese Debatte ist sehr herausfordernd.

Julian Barlen